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Kinderpsychiater

Der Kinderpsychiater beschäftigt sich mit seelischen, kognitiven und psychosomatischen Störungen im Kindesalter. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein eigenständiges Fachgebiet der Psychiatrie. Es hat sich entwickelt, nachdem man ab den 1970er-Jahren erkannt hatte, dass psychische Störungen im Kindesalter anders bedingt sind und auch anders verlaufen als bei Erwachsenen. Unter anderem reagieren Kinder mit oft sehr unklaren Symptomen, die von nicht geschulten Erwachsenen – darunter meistens den eigenen Eltern – nur schwer oder gar nicht zu deuten sind.

Die Kinderpsychiatrie wird seit 1993 in Deutschland offiziell als KJPP bezeichnet. Das Kürzel steht für „Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie“. Benachbarte Fächer sind die Kinderheilkunde und -neurologie, die Entwicklungspädiatrie und die Pädagogik.

Die Ausbildung zum Kinderpsychiater dauert nach einem sechsjährigen Medizinstudium nochmals mindestens fünf Jahre und schließt mit einer Facharztprüfung ab. Sie gliedert sich in vier Jahre Kinderpsychiatrie, von denen zwei Jahre auf den Stationsdienst entfallen, sowie ein Jahr Psychiatrie und Psychotherapie oder Pädiatrie. Es ist eine Anrechnung von Arbeitszeiten in einer Klinik für Neurologie oder psychosomatische Medizin möglich, was allerdings die Landesärztekammern unterschiedlich regeln. Inhalte der Ausbildung sind Symptome körperlicher und neurologischer Erkrankungen, psychosomatische Beschwerden, psychiatrische Krankheitsbilder, medizinische Diagnostik, Pharmakologie, Entwicklungspsychologie, psychologische Testverfahren, Entspannungsübungen und verschiedene psychotherapeutische und psychiatrische Therapieansätze. Da die Psychiatrie und die Psychotherapie sehr junge Wissenschaften sind, werden Kinderpsychiater im Laufe ihrer Praxis ständig mit neuen Erkenntnissen konfrontiert. Schon die Ausbildung berücksichtigt jeweils den neuesten Stand der Wissenschaft.

Kinder entwickeln aus unterschiedlichsten Gründen psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten. Dazu gehören neurologische Funktionsstörungen, familiäre Probleme wie Gewalt, Missbrauch und/oder Vernachlässigung, sonstige psychische Belastungen wie mangelnde Akzeptanz in der Peergroup, Über- oder Unterforderung, falscher Medienkonsum, Fehlernährung und mangelnde Bewegung sowie daraus resultierende oder anders bedingte körperliche Erkrankungen. Die möglichen Krankheitsbilder erfasst nach der WHO-Klassifikation der ICD-10 (F90 – F98, Kapitel V). Der Kinderpsychiater wird in seiner Diagnostik die Gesamtheit aller psychosozialen Bezüge des Kindes untersuchen. Diese ganzheitliche Betrachtung gehört zu den wissenschaftlichen Standards der Kinderpsychiatrie und ist die Grundlage für die verordnete Therapie, zu der die Psychotherapie und die Pharmakotherapie gehören können.

Symptome einer kindlichen Entwicklungsstörung sind unter anderem Probleme mit Impulsivität und Aufmerksamkeit (ADHS-Syndrom), massivste Schulprobleme, Teilleistungsstörungen, auffällige Aggressivität oder auffällige Ängstlichkeit sowie Entwicklungsauffälligkeiten in der Sprache und Motorik. Nicht immer sind soziale Bedingungen ursächlich, denn es sind auch Kinder aus vollkommen intakten Familien betroffen, in denen ein liebevolles Klima herrscht. Hirnfunktionsstörungen verursachen dieselben Symptome. Zu diesen können auch Probleme der Sauberkeitserziehung, extreme Stimmungsschwankungen, Essstörungen, psychosomatische Beschwerden, Autismus-Spektrum-Störungen, Psychosen und Verhaltensstörungen aufgrund einer geistigen Behinderung gehören. Des Weiteren können auch bei Kindern schon Suchtprobleme auftreten. Seit den 2000er-Jahren spielt dabei der Medienkonsum eine zunehmende Rolle, doch auch sehr frühzeitiges Rauchen und Trinken von Alkohol, Medikamentenmissbrauch und die Einnahme weiterer toxischer Substanzen (u.a. Pilze, Klebstoffschnüffeln etc.) gehören dazu. Seltenere Krankheitsbilder sind Tic-Störungen, das Tourette-Syndrom und Epilepsien. Der Kinderpsychiater wird auch bei Sorge- und Umgangsrechtsproblemen hinzugezogen.

Nach der Abklärung der Ursachen und Bedingungen einer Erkrankung entwickelt der Kinderpsychiater einen Therapieplan, der speziell auf das Kind abgestimmt ist. In der Regel kooperieren hierfür mehrere Fachabteilungen, so neben dem Kinderpsychiater auch Sozial- und Heilpädagogen, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Physiotherapeuten. Auf diese Weise lässt sich ein ganzheitlicher therapeutischer Prozess in Gang bringen. Die Familie und die Schule oder der Kindergarten sind einzubeziehen.